Hamburgs Personennahverkehr in neuer Dimension: Neumobil mit dem HMV unterwegs

Teilnahme an Hamburgs Ideenlabor für die Stadt von morgen „Nexthamburg“.

Einleitung

Hamburgs Personennahverkehr in neuer Dimension: Neumobil mit dem HMV unterwegs, Straddling-Bus vs. Stadtbahn, Metro-Express-Buslinien und weitere Wandlungen.

Hamburg ist 2016 dank eines innovativen Mobilitätskonzeptes von einem Verkehrskollaps weit entfernt. Diesen Beitrag über ein innovatives Mobilitätskonzept hat Karsten Breckwoldt am 28.2.2011 in das Ideenlabor für die Stadt von morgen „Nexthamburg“ eingebracht.

Beschreibung

1) Neumobil mit dem HMV unterwegs

August 2016 – gerade ist das eindrucksvolle Konzert des NDR-Sinfonie-Orchesters zu Ende gegangen. Ich stehe in der Plaza der Elbphilharmonie und genieße das atemberaubende Panorama über die Stadt. Dvorak’s Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“ klingt in meinen Ohren noch nach. Eine Weile stehe ich so da.

„Wollen wir uns langsam auf den Heimweg machen?“. Die Stimme meiner Frau, die soeben aus dem Elbphilharmonie-CD-Shop kommt, holt mich sanft in die Gegenwart zurück.

„Ok“ sage ich, ziehe mein Smart-Phone aus der Jackentasche und wähle die App (kleines Programm für ein Mobiltelefon) des Hamburger Mobilitätsverbundes (HMV).

Was ist der HMV?

Vor einem Jahr, 2015 – exakt 50 Jahre nach Gründung des ersten Verkehrsverbundes der Welt, dem Hamburger Verkehrsverbund – ist mit dem Hamburger Mobilitätsverbund das weltweit erste System an den Start gegangen, das den öffentlichen Massen-Nahverkehr mit dem öffentlichen Individual-Nahverkehr vernetzt.

Die in der vorgezogenen Bürgerschaftswahl 2011 neu gewählte Regierung entschied sich dafür, den HMV zügig aufzubauen (Anmerkung Stadtbahn siehe Punkt 2 ).

Der HMV wurde von allen beteiligten Verbund-Partnern kooperativ im Rahmen der Innovations-Allianz Hamburg, die noch von der schwarz-grünen Regierung 2009 ins Leben gerufen wurde, entwickelt und stufenweise eingeführt.

Die Mobilitätsangebote im HMV

Zum Hamburger Mobilitätsverbund gehören die Mobilitätsangebote des HVV (U-, S-, A-, R-Bahn, Bus, Straddling-Bus, Schiff), Stadt-Rad und Wassertaxi. Auch Taxi-Unternehmen haben sich dem HMV angeschlossen.

Ein wichtiger Bestandteil des Verbundes ist auch das von Daimler entwickelte Car2Go/Stadt-Auto-Angebot. Dieses Car-Sharing-System wurde im GreenCapital-Jahr 2011 in der Hansestadt eingeführt. Ein Auto kann an jeder Straßenecke angemietet und auch wieder abgestellt werden. Zu Beginn bestand die Car2Go-Flotte ausschließlich aus konventionell angetriebenen Smart-Modellen. Doch mittlerweile ist die Flotte fast vollständig auf Elektro-Autos umgestellt. Das Car2Go-Angebot hat wesentlich dazu beigetragen, dass Elektromobilität in Hamburg immer präsenter wird.

Auch andere Elektromobilitätsangebote wie Stadt-Segway und Stadt-E-Bike, die ebenfalls an jeder Straßenecke angemietet und auch wieder abgestellt werden können, gehören zum HMV.

Um die Auslastung von Privatfahrzeugen zu erhöhen, wurde eine Online-Community für die Bildung privater Fahrgemeinschaften in den Verbund integriert.

Das Herzstück des HMV

Das Herzstück des Hamburger Mobilitätsverbundes ist ein Hochleistungs-Computer-Netzwerk. Die Verfügbarkeits-, Standort- und Fahrplandaten aller Mobilitätskomponenten fließen in das dort installierte zentrale Informations-, Buchungs- und Abrechnungssystem ein und werden ständig aktualisiert. Auch Echtzeit-Informationen über den Verkehrsfluss werden im System verarbeitet, damit Staus umgangen bzw. in die Verbindungs-Berechnungen einkalkuliert werden können. Die Tarifsysteme aller Verbundteilnehmer sind integriert und werden zu zielgruppenspezifischen Tarifangeboten kombiniert.

Mobil mit dem HMV verbunden

In der HMV-App meines Smart-Phones gebe ich die Anzahl der Personen und die gewünschte Abfahrtszeit ein. Ein GPS- Modul sorgt dafür, dass der augenblickliche Standort, die Elbphilharmonie, automatisch als Startpunkt gewählt wird. Meine Heimatadresse und andere oft von mir angefahrene Ziele, sowie meine bevorzugten Mobilitätskomponenten sind in meinem Benutzerprofil hinterlegt. Nach Auswahl meiner Heimatadresse aus der Profilliste bekomme ich sofort die im Hamburger Mobilitätsverbund zur Verfügung stehenden Alternativangebote angezeigt, um nach Hause zu gelangen.

Ich zeige meiner Frau, die Alternativen, die wir heute Abend für den Heimweg haben:

Hamburger Mobilitätsverbund - Smartphone-App
Hamburger Mobilitätsverbund – Smartphone-App

Bei den einzelnen Alternativen sind natürlich Dauer, Abfahrts-/Ankunftszeit und Kosten aufgeführt, um die Entscheidung zu erleichtern.

Da wir den schönen Sommerabend noch etwas genießen möchten, wählen wir die Alternative „Wassertaxi und Bus“.

Ich buche die Verbindung. Umgehend erhalte ich die Bestätigung. Das Wassertaxi bekommt die Bestellung in Echtzeit und macht sich auf den Weg. Die Kosten für diese Verbindung werden automatisch vom Bankkonto abgebucht. Die Strecken-Kilometer werden auf meinem Bonus-Konto des Hamburg-Mobil-Vielfahrer-Programmes gutgeschrieben – Prämiensammeln wie bei Lufthansa Miles&More.

Das in die HMV-App integrierte Navigationssystem weist uns den Weg zum Wassertaxi-Anleger.

Als wir beim Anleger ankommen, legt das Wassertaxi gerade an. Wir gehen an Deck und zeigen dem Bootsführer die digitale Fahrkarte/Buchungsbestätigung auf dem Smart-Phone.

Wenn das Smart-Phone einmal nicht dabei ist – an allen stark frequentierten Punkten der Stadt, sowie an allen Haltestellen und Leihstationen sind stationäre Terminals aufgestellt, an denen die Verbindung herausgesucht und alle Angebote des HMV gebucht werden können. Eine Buchungsbestätigung/Fahrkarte und ggf. auch PIN (für Stadt-Rad, Stadt-Auto etc.) wird dort ausgedruckt. Auch vom Internet-PC zu Hause kann mit dem HMV-System kommuniziert werden.

Das Wassertaxi legt ab. Wir genießen die Fahrt auf der Elbe in der lauen Sommernacht.

„Eigentlich können wir unser Auto doch abschaffen. Mit dem HMV sind wir so etwas von flexibel, wir erreichen unsere Ziele schneller und wir sparen Geld. Anschaffungs- und fixe Betriebskosten wie Versicherung für das Auto würden wegfallen. Wir bezahlen nur, wenn wir tatsächlich fahren. Was denkst Du?“, sagt meine Frau gut gelaunt zu mir.

„Das ist eine gute Idee. Registrierung, Buchung und Abrechnung im HMV sind sehr simpel und komfortabel – alles läuft über ein System. Wir tragen unseren Teil zum Umweltschutz bei. Wenn wir wirklich einmal ein Auto brauchen, nehmen wir das Stadt-Auto. Viele Hamburger haben ihr eigenes Auto schon abgeschafft. Wir sollten es wirklich auch tun.“

„Na dann, willkommen in der schönen neuen Welt. Und von dem Verkaufserlös des Autos holen wir unsere Hochzeitsreise nach.“, höre ich und ein leidenschaftlicher Kuss besiegelt die Entscheidung.

2) Straddling-Bus vs. Stadtbahn | Metro-Express-Buslinien übergangsweise

Das von der GAL favorisierte und vom damaligen Bürgermeister Ahlhaus nach dem Koalitionsbruch mehr oder weniger gestoppte Stadtbahn-Projekt wurde unter der neuen Regierung erst einmal nicht fortgeführt. Es erschien der neuen Regierung wirkungsvoller, die knappen Gelder zunächst in ein innovatives Mobilitätskonzept für Hamburg zu investieren. Außerdem wurde beschlossen, eine Alternative zur Stadtbahn zu untersuchen.

Um die „abgehängten Stadtteile“ besser anzubinden und die Verbindung zwischen Stadtteilzentren zu verbessern, wurden übergangsweise zuschlagfreie Metro-Express-Buslinien eingerichtet. Auf diesen Linien fahren umweltfreundliche Hybrid-XXL-Busse in hoher Taktung. Die Metro-Express-Busse halten nur an Verkehrsknotenpunkten und sind mit einer funkgesteuerten Ampel-Bevorrechtigung ausgestattet. Dort wo möglich und sinnvoll sind Busspuren eingerichtet.

Als Alternative zur Stadtbahn wurde ein innovatives Bus-Systems aus China untersucht. Der strombetriebene „Straddling Bus“ fährt auf am Straßenrand eingelassenen Schienen, „überspannt“ den Verkehr auf Stelzen und kann bis zu 1200 Passagiere befördern. Die Untersuchung ergab, dass ein für Hamburg modifiziertes Straddling-Bus-System Vorteile gegenüber einem Stadtbahn-System aufweist. Das Straddling-Bus-System wird eingeführt, sobald es die Haushaltslage erlaubt.

3) Weitere Wandlungen

Hamburg ist mittlerweile von einem Verkehrskollaps weit entfernt.

Die Fahrradinfrastruktur ist maßgeblich ausgebaut, ebenso Busspuren.

Für Fahrgemeinschaften sind HOV-Fahrspuren (High-Occupancy Vehicle Lanes) auf ausgewählten Strecken eingerichtet. Diese Spuren dürfen Fahrzeuge, die mehr als 2 (HOV-2) bzw. 3 (HOV-3) Personen befördern (Vorbild USA/Kanada) sowie E-Autos mit weniger als 3 Personen, benutzen. Teilweise sind die HOV-Spuren mit Busspuren kombiniert.

Auch die beruflich bedingten Fahrten haben sich reduziert. Die Heim- und Telearbeit hat zugenommen. Außerdem sind in den Stadtteilen Nachbarschafts-Office-Häuser errichtet worden. Dort befinden sich Co-Working Arbeitsplätze für Freiberufler sowie Satellitenbüros und Nachbarschaftsbüros größerer Unternehmen.

Um das Lebensgefühl ohne Auto zu vermitteln, sind nach dem Vorbild des autofreien Wohnens Saarlandstrasse und Falkenried, weitere autofreie Inseln entstanden.

4) Aufwachen

Der Wecker klingelt. Die Sonne blinzelt durch das Fenster. Ich höre den Verkehrslärm und frage mich: „Alles nur ein Traum?“

 

weiterführende Links

Diskussion und Abstimmung www.nexthamburg.de

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Karsten Breckwoldt | www.k-breckwoldt.de