Die vernetzte Uni

Zukunft der Uni Hamburg

Teilnahme am Internet-Diskurs www.zukunft-uni.hamburg.de.

Einleitung

Die Zukunft der Universität Hamburg – wird die Universität an den Kleinen Grasbrook verlegt?

Im Internetforum „Zukunft der Universität Hamburg“ hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Meinungen zu den verschiedenen vorgestellten Planungsszenarien zu äußern.

Der Online-Dialog wurde von der der TuTech Innovation GmbH im Auftrag der Behörde für Wissenschaft und Forschung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 06.04.-29.04.2009 durchgeführt.

Mit dem Beitrag „Die vernetzte Uni“ hat Karsten Breckwoldt sich an dem Online-Dialog beteiligt.

Beitrag

Die Frage nach dem Standort der Uni scheint mir eine zu isolierte Fragestellung zu sein. Wäre es nicht von Vorteil, eine so wichtige Zukunftsfrage für Hamburg in einem größeren Gesamtzusammenhang zu behandeln? Und müssen daher nicht weitere wichtige Faktoren in eine Lösungsfindung einfließen?

Faktor Vision

Das Thema einer fehlenden Vision für eine Universität der Zukunft ist schon in die Diskussion eingebracht worden.

Der Bologna-Prozess hat bisher nicht die gewünschten Erfolge erzielt. Kritiker fordern eine Reform der Reform. Wie sieht die Universität der Zukunft aus?

Und es geht noch einen Schritt weiter. In Hamburg wird ja bekanntlich gerade die Schulreform vorbereitet. Welche Wechselwirkungen würde es zwischen einer Universität der Zukunft und einer Schule der Zukunft geben? Welche Veränderungen in beiden Teilsystemen würden ein optimales Zusammenspiel zwischen Schule und Universität ermöglichen?

Hätte Hamburg jetzt nicht die Jahrhundertchance das beste Bildungssystem der Welt aufzubauen?

Faktor Informationstechnologie

Welche Auswirkung hat die Entwicklung im Bereich der Informationstechnologie?

Vermutlich wird die technologische Entwicklung eine Schlüsselrolle in der Entwicklung einer Uni der Zukunft einnehmen. Sie wird sich nicht nur auf den Raum/Flächenbedarf auswirken, sondern auch auf das selbstverantwortliche und individuelle Studium, auf das interdisziplinäre Studium, auf eine stärkere Verknüpfung der Uni mit der Wirtschaft, eine stärkere Öffnung der Uni für die Allgemeinheit und auf das lebenslange Lernen.

Blended Learning (Verknüpfung von traditionellen Präsenzveranstaltungen und modernen Formen von E-Learning/E-Study) wird wahrscheinlich dazu beitragen, dass weniger zentrale Flächen/Räumlichkeiten benötigt werden und trotzdem mehr Menschen am Bildungsangebot teilhaben können – unabhängig von Zeit und Ort.

Es ist nicht zu verleugnen, dass computergestütztes Lernen noch am Anfang steht und die Akzeptanz derzeit nicht groß ist. Es ist also wichtig mit diesem Thema vorsichtig umzugehen. Die heranwachsende Internet-Generation bekommt jedoch den Umgang mit der virtuellen Welt schon in die Wiege gelegt.

Vermutlich wird die Uni der Zukunft eine Mischung aus Präsenz- und Fern- bzw. virtueller Uni sein. Durch Hochgeschwindigkeitsnetze wird dezentrale Forschung möglich, Universitäten können miteinander und auch mit der Wirtschaft vernetzt werden. Vorlesungen aus dem Archiv auf dem IPod im Cafe anhören, an Live-Vorlesungen per Videokonferenz am heimischen Computer teilnehmen, Chatten mit dem Professor, digitale Bibliotheken und andere Möglichkeiten werden wahrscheinlich in der Zukunft zum Alltag gehören.

Faktor Hochschulverbund

Das Aufweichen der Grenzen zwischen den Disziplinen bzw. die Zunahme interdisziplinärer Studiengänge könnte dazu führen, dass die einzelnen Hochschulen in Hamburg stärker zusammenarbeiten und ihre Ressourcen (u.a. auch Flächen und Technologie) kooperativ nutzen.

Beispiel: Ein Studium, welches u.a. BWL und Kunst beinhaltet, würde für Studenten eine Bereicherung sein: durch Unterricht in Malerei, Schauspiel, Tanz, etc. lernen die Studenten, Wirtschaft neu zu denken.

Welche Auswirkungen hätte ein möglicher Hochschulverbund auf die Standortfrage?

Faktor neue Wissens- und Lernzentren in den Stadtteilen

Könnten öffentliche Bücherhallen und Volkshochschulen in Kooperation mit den Hamburger Hochschulen neue, hochmodern ausgestattete Wissens- und Lernzentren in den Stadtteilen aufbauen, die das lebenslange Lernen der Bürger fördern, das Bildungsniveau anheben und der sozialen Spaltung entgegenwirken? Die Universität könnte hier ihr Weiterbildungsangebot anbieten und damit ihre angestrebte Öffnung vorantreiben. In den Wissens- und Lernzentren würden Computerarbeitsplätze, Bibliotheken, Gruppenarbeits- und Seminarräume mit moderner, vernetzter Kommunikationstechnologie zur Verfügung stehen. Auch Studenten hätten die Möglichkeit dort zu arbeiten und zu lernen, vielleicht sogar ihr Wissen weiterzugeben (Lernen durch Lehren).

Die Wissens- und Lernzentren würden zu einer Begegnungsstätte werden.

Die nächsten beiden Faktoren sind nicht neu und wurden hier schon diskutiert. Gerne möchte hier meine Sichtweise zu diesen Faktoren einbringen:

Faktor Lebendigkeit

Rotherbaum und Harvestehude sind ein gewachsener, lebendiger, pulsierender Teil Hamburgs, in dem sich die Menschen wohl fühlen. Wie würde es sich auswirken, wenn bei einem Komplett-Umzug der Uni zum kleinen Grasbrook diesem Teil Hamburgs die Lebensader herausoperiert wird?

Wie wäre die Atmosphäre in einem aus dem Boden gestampften neuen Viertel am kleinen Grasbrook, welches wohl möglich eine ähnlich kühle und monotone Architektur wie die HafenCity erhält?

Würde Hamburg bei einem Komplett-Umzug der Uni zum Kleinen Grasbrook ein Stück toter werden?

Faktor Klimaveränderung

Durch die Klimaveränderung und dem damit verbundenen Anstieg des Meeresspiegels und vermehrt auftretenden Sturmfluten wären besondere Schutzmassnahmen für einen Uni-Standort Kleiner Grasbrook erforderlich.
Welche Kosten wären damit verbunden? Wie groß ist die Gefahr von Flutschäden an Technologie, Ausstattung, Räumlichkeiten, …? Wie stark wären die Beeinträchtigungen des Uni-Betriebes bei Hochwasser?

Fazit

Vieles spricht aus meiner Sicht für einen Umbau des bisherigen Uni-Standortes am Rothenbaum in Kombination mit einer stärkeren Vernetzung, Digitalisierung und Kooperation der Systeme. Die große Chance für Hamburg scheint mir darin zu bestehen, die Standortfrage der Uni mit der Frage nach der Uni der Zukunft und der Schulreform zu verknüpfen – mit dem Anspruch das beste Bildungssystem der Welt aufzubauen.

weiterführende Links

www.zukunft-uni.hamburg.de (Web-Site leider nicht mehr online)
www.zukunft-uni.hamburg.de | Beitrag „Die vernetzte Uni“ (Web-Site leider nicht mehr online)

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Karsten Breckwoldt | www.k-breckwoldt.de